Studie: So wirken sich Smart-City-Projekte in Städten wie Köln aus

Monitoring und Evaluation von Smart-City-Projekten wurden in Deutschland bislang nicht wissenschaftlich untersucht. Um diese Forschungslücke zu schließen, hat das Bundesinstitut für Bau-, Stadt und Raumforschung (BBSR) beim Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) eine Studie in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse nun vorliegen. Auch das Kölner Smart-City-Projekt „Grow Smarter" war Teil der Untersuchung. 

Ziel der nun vorliegenden Arbeit war es, Evaluationsansätze zu den Wirkweisen von Smart-City-Projekten anhand einzelner Fallstudien zu erfassen und zu systematisieren. Als Fallbeispiele wurden neben Köln (EU-Projekt „Grow Smarter“) die Städte München, Hamburg und Dresden herangezogen. Alle vier waren im Rahmen einer EU-Projektförderung als „Lighthouse City“ im Bereich Smart City ausgezeichnet worden. Für die Studie wurden Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern der vier Smart-City-Projekte geführt sowie Projektmaterialien ausgewertet.

Die Analyse der vier Fallstudien hat verdeutlicht, dass sich die Ansätze bezüglich Monitoring und Evaluation stark an den Rahmenvorgaben der EU-Förderung orientieren. Anhand vorab festgelegter Key-Performance-Indikatoren wird der Erfolg der einzelnen Projektmaßnahmen überprüft. Als Fördermittelgeberin hat die EU-Kommission vor allem Interesse daran, inwieweit die Oberziele des Förderprogramms („CO2-Einsparungen“ und „Entwicklung neuer Geschäftsmodelle“) durch die Projekte erreicht wurden. 

Externe Vorgaben werden als schwierig angesehen

Die von vornherein extern festgelegten Vorgaben zu Indikatoren, Messverfahren und Messzeitpunkten werden von den Projektverantwortlichen laut der Studie als schwierig angesehen. Auf der einen Seite deckten die Vorgaben nicht oder nur teilweise die Indikatoren und Messbereiche ab, die für die Städte von Interesse und Relevanz sind, um langfristig für die Stadtentwicklung verwertbare Ergebnisse zu erzielen. Auf der anderen Seite könnten die für die Indikatoren notwendigen Daten je nach Kommune und Rahmenbedingungen der Smart-City-Maßnahmen sehr unterschiedlich ausfallen oder es lägen Daten nicht überall vollständig vor. Aus den Interviews ging zudem hervor, dass quantitative Indikatoren, die auf „harten“ Zahlen basierten, in einigen Fällen als ungeeignet beurteilt wurden, um bestimmte Wirkungen umfassend abbilden zu können. Qualitative Indikatoren könnten hingegen kontextualisiert werden und sind damit in einigen Fällen aussagekräftiger.

Neu sei in den Projekten häufig die integrative Herangehensweise und die „smarte“ Vernetzung von (technischen) Infrastrukturen, Prozessen oder Dienstleistungen sowie die Verknüpfung mit Daten. Bei der Umsetzung solcher Maßnahmen seien in der Regel mehr Verwaltungsstellen und neuartige Genehmigungsverfahren notwendig. Eine deutliche Wirkung, die sich dabei in allen vier Fallstudien gezeigt hat, sind neue verwaltungsinterne Prozesse und Governance-Formen, die sich hieraus ergeben hätten. Durch die EU-Smart-City-Projekte wurden jeweils neue Kooperationen zwischen Verwaltungsabteilungen initiiert, die zu wertvollem Austausch geführt und die fachübergreifende Kommunikation verbessert hätten. Ebenso hätten sich neue Kooperationsformen mit privatwirtschaftlichen Akteuren ergeben. 

Die Smart-City-Projekte bildeten in den Städten räumlich abgegrenzte Reallabore, in denen die Umsetzung di­gitaler Technologien und innovativer Ansätze in der Stadtentwicklung erprobt würden. Die Städte konnten dabei laut der Studie wertvolle Erfahrungen sammeln, welche Technologien, Ansätze und Prozesse Erfolg zeigen und sich eigneten, langfristig auf gesamtstädtischer Ebene repliziert zu werden. 

Letztlich stellt die Studie fest, dass sich selbst die von der EU geförderten Leuchtturmstädte noch in einem frühen Stadium auf dem Weg zu einer Smart City befänden. Die umgesetzten Maßnahmen dienten vorrangig einem „Proof of Concept“. Welche langfristigen Wirkungen diese Ansätze hätten, könne zum jetzigen Zeitpunkt eher prognostiziert als empirisch erhoben werden. Die bisherigen Erfahrungen in den Leuchtturmstädten verdeutlichten dabei, dass die Projektaktivitäten neue Entwicklungen in der gesamten Stadt anstießen und das Projekt als Katalysator für weitere Entwicklungen hin zur „smarten“ Stadt gesehen werden könne.

Die komplette Studie steht an dieser Stelle kostenlos zum Download bereit.